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2020/07/31

Tage 16 - 18: Runavíkar (Färöer) nach Höfn (Island)

Auf See vergisst man die Zeit - so kam es für uns beide schon vor, dass wir nach dem Wochentag gefragt haben oder wie lange eine Etappe jetzt gedauert habe.

Den Hafen von Runavikar haben wir am 27.07. gegen Mittag verlassen. Der Hafenmeister war nicht anzutreffen und Automaten zur Zahlung einer Hafengebühr gab es nicht. Der Strom wurde ja bereits vorher auf eine Karte aufgeladen - dabei hatte uns der Hafenmeister des anderen Hafens ja glücklicherweise geholfen. Somit füllten wir den Tank erneut auf und verließen diesen kleinen Ort gen Norden.
Die Überlegung, die Heizung reparieren zu lassen, schlugen wir uns aus dem Kopf. Auch, wenn es sicherer klingt - Ersatzteile müssten per Express aus Dänemark importiert werden. Das hätte Wartezeit und hohe Kosten bedeutet - beides wollen wir verhindern.

Wir fahren also einen Faröer-Fjord in nördlicher Richtung entlang. (nennt man das so?) 

Tief hängende Wolken und Nebel umgibt die Hügel. 

Überall fließt Wasser von den Bergen hinab. 
An einigen Stellen erkennt man Höhlen oder zumindest ausgewaschene Felsvorsprünge kurz über der Wasseroberfläche. An einigen wenigen Hängen sind Felder zu sehen. 

Dann geht es hinaus auf´s Meer. Die einzelnen Fjorde reichen wie Fingerspitzen ins Meer, jeder in Nebel gehüllt - ein faszinierender Blick zur Verabschiedung.

Die nun beginnende Reise übers Meer hat es in sich. Selbst das Zubereiten von Fertiggerichten stellt sich als Schwierigkeit heraus. Eine Topfhalterung des Gasherds (zwei wären ideal) geht kaputt. Die andere bekomme ich nicht gelöst. Also bleibe ich die ganze Zeit  neben dem Topf oder Wasserkessel stehen. Ich hab eigentlich nie Probleme mit Sodbrennen gehabt. Von Fertiggerichten a la 5 Min Terrine und ähnlichen bleibe ich auch davon nicht verschont. Selbst das Portionieren eines Dosen-Eintopfs von Topf in Suppentasse erweist sich bei starkem Wellengang als Schwierigkeit. Leider geht eine Suppentasse dabei zu Bruch - die Scherben sind schon verpackt und werden daheim geklebt und als Andenken an diese Reise ins Regal gestellt - eine einmalige Erinnerung ;-)

Der gelb-schwarze Trockenanzug ist leider zu klein. Ich schaffe es gerade so in die Hose hinein. Die Ärmel wickle ich mir kurzer Hand um die Hüfte. Beim blauen Trockenanzug lösen sich die verklebten Nähte, so dass ich in kürzester Zeit bis auf die Haut nass bin. 
Überrascht bin ich von den Seal-Skinz Socken, auf die ich mal als "wasserdichte Socken" aufmerksam wurde und mir daraufhin für Outdoor-Aktivitäten gekauft habe. Meine Turnschuhe trocknen wohl nicht mehr und sind dann reif für die Mülltonne. 


Mit den SealSkinz sind die Füße zwar draußen durch die kalte Nässe erst einmal kalt, aber überraschend trocken, wenn ich sie später ausziehe.

Uns geht in der ersten Nacht die Steuerautomatik (Steueranlage für den Autopiloten für Steuerung nach Kurs) kaputt. Die ganze Zeit selbst steuern und Kurs angleichen ist natürlich um einiges intensiver (Kraft, Aufmerksamkeit), als die recht angenehm einfache Nachtwache mit Steueranlage. Zum Ende hin bat ich Papa, mich abzulösen, da mich langsam vor allem die Kraft verließ. Vom angepeilten Kurs wich ich ein wenig ab, da sonst die Genua zu flattern begann, die seitlichen Wellen drückten mich aber so zur Seite, dass ich etwa um 45° gegensteuern musste, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. 

Ich war froh, als ich mich hinlegen konnte. Wir richteten später die Windsteueranlage ein, die bei Wind die Aufgabe der Steuerautomatik übernehmen kann (wenn Wind geht und nicht direkt von vorne kommt, was natürlich der Fall war). 
Zu guter letzt fing die Steueranlage an zu piepsen -nervtötend - und immer wieder. 
Ein Video hierzu findest du hier.

Immer wieder hielt ich nach Island ausschau. Zum einen sollten ja Wolken über Inseln zu sehen sein (regulär auf dem Meer) und zum anderen sind die Berge auf Island ja nicht gerade klein und sollten hoffentlich weit zu sehen sein. Wir waren immer mal wieder der Meinung, Berge oder Hügel erkennen zu können - die sich dann doch wieder als Wolken herausstellten. Erst kurz vor der Küste - etwa 5 Seemeilen - waren ein paar Hänge und Klippen durch die Wolken zu erkennen. Hätten wir nicht auf der Karte gesehen, dass dort Island liegt, hätten wir genauso gut vorbei segeln können. Das hätte ich so nicht für möglich gehalten.

Schon ein paar Seemeilen vorher füllten wir einen Kanister Sprit nach und fuhren dann mit höherer Geschwindigkeit auf Island zu.
Mittags saß ich mit Leggins und dünner Wolldecke am Steuer - und es ließ sich gut aushalten. Umso näher wir der Küste kamen, umso kälter wurde es. Kurz vor der Hafeneinfahrt ging dann der Motor aus - Sprit leer. Ich war bis zu diesem Moment der Meinung, dass wir unseren einzigen Reservekanister ja schon nachgetankt hatten. Wir ankerten kurz -  glücklicherweise sind drei Ersatzkanister an Bord. :)

Dieses Bild zeigt, wie nah am Hafen wir ankern müssten.

Ich hab schon kommen sehen: Schlauchboot raus, in den Hafen fahren, Kanister volltanken... um endlich in den Hafen zu kommen - aber das blieb mir bis jetzt erspart. Das Schlauchboot benötigen wir aber für Jan Mayen - kommt also noch :)

Als wir endlich im Hafen anlegten, musste Papa eine Stromweiche 'umbauen'. Am Steg sind alle Elektroanschlüsse belegt.
Also stöpselt er die improvisierte Weiche an den Verteiler und hängt das Kabel, das den Anschluss bisher belegte und unser Kabel an die gleiche Leitung. 

Ich mache etwas zu essen. Wie zufrieden man doch plötzlich ist, wenn ein Eintopf ohne Schwanken, Schaukeln und Verrutschen  von Töpfen und Tellern zubereitet und serviert werden kann. 
Ruckzuck ist es wieder mitten in der Nacht - plus mittlerweile zwei Stunden Zeitverschiebung.

weitere Eindrücke

2020/07/27

Tage 10 - 15: Egersund - Runavíkar (Faröer)

In Egersund tankten wir voll, dann ging es weiter nördlich den Fjord (Sund) entlang und wieder aufs Meer hinaus.
Der Sonnenuntergang war einfach faszinierend. 
Eines der Dinge, auf die ich mich riesig gefreut hatte, war die sternenklare Nacht ohne Lichtsmog usw. auf dem offenen Meer. Da wir ja jetzt aber im Juli und August und nicht im April/Mai unterwegs sind, wird es, je weiter wir in den Norden kommen, immer später oder gar nicht mehr dunkel. Ab dem Polarkreis (bei 66°) wird es wohl gar nicht mehr dunkel: Mitternachtssonne. Das hab ich auch erst kurz vor Abreise begriffen. In der ersten Nacht konnte ich immerhin Sterne sehen - ungefähr wie daheim in Karlsruhe. 
Dennoch sah man die Nacht hindurch den Streifen der unter- und wieder aufgehenden Sonne am Horizont.
Mir scheint 3 Uhr eine Uhrzeit zu sein, in der ich müde werde und schlafen gehe. Wiederholt ging meine Nachtwache etwa bis 3 Uhr, dann löste Papa mich ab. Er machte traumhafte Aufnahmen von der aufgehenden Sonne. Mit der 4K-Action Kamera haben wir noch unsere Probleme. Auf der Kamera selbst lassen sich Videos ohne weiteres abspielen. Beim Übertragen auf den PC hakt es dann. Wir liefern die Videos hoffentlich nach.

Am zweiten Tag passierten wir die Shetland-Inseln. Die steilen Küsten sind auffällig und irgendwie anziehend.
Ich beobachte gerne die durch die Lüfte gleitenden Möwen, wie sie durch die Wellentäler schweben, hinter Wellen verschwinden und sich doch noch weiter tragen lassen. Ein toller Anblick. Bei einigen Vögeln denke ich "die sehen ja aus wie Pinguine" und sie unterscheiden sich durch das heftige Schlagen der Flügel durch die Flugbewegungen der Möwen. Den einen Moment glaube ich, meinen Augen nicht trauen zu können.

Papageientaucher!! <3

Da fliegt ein Papageientaucher nicht weit an mir vorbei. <3
Ich wusste nicht, dass es die hier gibt. Leider hab ich sie nicht fotografisch festhalten können. 
Sie fliegen immer wieder als Schwarm (wie bei Gänsen, wenn sie in den Süden fliegen), allerdings nicht als V sondern als eine Linie. Ich bin ganz begeistert.

Der Wind ist nicht ganz auf unserer Seite. Rückenwind ist ja gut - aber etwas mehr seitlich wäre fürs Segeln von Vorteil. So kommt der Wind von einer Seite, die Wellen von einer anderen... und manchmal aus verschiedenen Richtungen. Das macht die Fahrt unruhig. Papa kommt vorne in seiner Koje kaum zum schlafen, weil es ihn von links nach rechts rollt (und entgegengesetzt). Er legt sich tagsüber dann entsprechend nochmal an der Sitzgruppe hin - wofür er eigentlich zu groß ist.

Als ich die Wache übernehme sieht es am Horizont nach einem Unwetter aus. Ich solle die Genua einholen, wenn sie zu arg flattert und ihn wecken, wenn das Unwetter kommt oder der Wind sich dreht. Ersteres mache ich recht bald und das Unwetter verzieht sich wieder. 

Der Wind wird stärker. Wir sind irgendwann beide unter Deck, weil es oben kalt, nass, windig und regnerisch ist. 
Ich will auch etwas mehr machen, als Seile festmachen... 
Beim Versuch, das Großsegel einzuholen, natürlich mit Life-Jacket (Safe-Line) gesichert, bin ich am Mast abgerutscht. 
Unverrichteter Dinge krabbelte ich zurück und ließ dies dann meinen Papa machen.

Meine Knie und mein Arm fühlen sich schmerzhafter an, als es aussieht. Beim jedem Versuch, über die Bank der Essgruppe zu den Gläsern oder über meinen Schlafplatz zu krabbeln, werde ich schmerzhaft daran erinnert.
Nach der "Schwerverletzung" ;-) zog ich mich in meine Koje zurück. Beim ins Bett krabbeln 
musste ich an die Worte von einer guten Freundin denken 

"Der Mensch neigt dazu, sich zu verstecken, wenn ihm etwas passiert!".

Mein Papa fragte "Na, Wunden geleckt?" als ich nach guten sechs Stunden Schlaf wieder herauskam. 

Es scheint, als kämen auch weitere Wehwehchen durch, ist man erst einmal angeschlagen. Kurz vor den Faröer wurde mir sogar etwas schlecht. Es blieb aber beim Gefühl und Kekse und Trauben konnte ich dennoch essen.
Aber: ich fragte mich 

"was mach ich hier überhaupt? Hochsommer und ich befinde mich im Nordatlantik bei Regen und Wind aus der 'falschen' Richtung."

Für den Moment kamen mir so viele Ideen in den Sinn, von "ein Hotel für eine Nacht - mit Badewanne", über Urlaub in Thailand im Winter, Rückflug von Island, Flug von Island nach Thailand oder irgendwohin wo es warm ist. Jetzt, am Tag danach, klingt das alles zwar verlockend... aber - ich wollte doch an meine Grenzen kommen... Und noch sind wir nicht nördlich des Polarkreises. 

Außerdem bin ich echt auf Jan Mayen gespannt... und auf Norwegens Fjorde um die Lofoten herum.

Wir bzw. vorrangig mein Papa repariert gerade die Heizung. Eine Vermutung war, dass die Pumpe kaputt sei. Dies konnten wir mittlerweile ausschließen. Der Fehlercode 13 sagt wohl, dass die Heizung keinen Sprit bekommt. Doch die Pumpe pumpt, wie wir an den Bläschen im Schlauch erkennen konnten. Nach kurzer Aktivität der Heizung (man hört dies durch ein Klicken) hört diese aber wieder auf. 
Es kommt Luft... aber eben keine Warme. Zudem ist der Auspuff der Heizung relativ verstopft. 
Ich hoffe, wir können das Projekt "funktionierende Heizung" in Kürze erfolgreich abschließen. Ich hab für alle Fälle eine Wärmflasche dabei und wir haben alle Kleidungsstücke, die feucht oder nass geworden sind nochmal trocknen lassen. (Heißlüfter, der bei vorhandenem Strom vom Hafen betrieben wird)

Wir bekamen Besuch vom Hafenmeister eines nördlicheren Hafens. Er half uns bei Strom und brachte uns sowohl einen Heißlüfter vorbei (den wir selbst haben, Papa hatte aber von der defekten Heizung erzählt) und hatte ebenfalls einen Herrn im Schlepptau, der sich das Problem anhörte und uns die Kontaktdaten einer Person einer LKW-Werkstatt gab, der uns evtl mit der Heizung behilflich sein könne. 

Nach unserer Kaffeezeit (Tee und Kuchen) machte ich noch einen Spaziergang - erst durch den Hafen, dann zu einem Park, den ich auf Google-Maps gesehen hatte. Den ganzen Tag über war es neblig und diesig und es hatte fast in einem Stück geregnet. Als ich los lief, dachte ich, es habe aufgehört zu regnen, was sich als Irrglaube herausstellte. Der feine Sprühregen begleitete mich etwa 2/3 meines
Spaziergangs. Der Park ist eine Heidelandschaft - Schafe, Enten und ganz viel Wasser. Verschiedene Schilder und Infotafeln machen auf Flechten aufmerksam. Herrlich - die neblige und nasse Landschaft - überall gluckert das Wasser. Die Hoffnung auf eine tolle Aussicht auf die andere Seite der Bucht wird nicht ganz so erfüllt, wie gehofft. Dennoch eine faszinierende Welt - diese Heidelandschaft. <3

Videos und weitere Bilder folgen.

Weitere Eindrücke:
Mir gefallen die norwegischen Scheine echt gut <3
Heidelandschaft